Eberhard Karls Universität Tübingen
Wilhelm-Schickard-Institut für Informatik (WSI)
Arbeitsbereich für Theoretische Informatik/Formale Sprachen
Impressum | Intern
Home | Mitarbeiter | Bernd Borchert

Bernd Borchert

Aktuelles

Pressemeldungen

Trojanersichere Online Accounts

Trojaner (eigentlich: Trojanische Pferde) sind Computer-Viren, die auf dem Rechner des Benutzers sitzen und dort abhoeren und/oder faelschen koennen. Einfaches Beispiel: es ist offenbar nicht schwer fuer einen Trojaner, das Passwort zu einem email-Account abzuhoeren: wenn der Benutzer es am Rechner eingibt, achtet der Virus ganz einfach darauf, welche Tasten gedrueckt werden, und schon kennt er das Passwort. Anderes Beispiel: beim Online Banking mit dem iTAN Verfahren kann ein Trojaner eine Ueberweisung faelschen: aus 50 Euro an X werden dann durch einen sogenannten Man-in-the-Middle Angriff des Trojaners 5000 Euro an Y, und das, ohne dass der Bankkunde oder die Bank etwas davon merken (siehe weiter unten). Ein Verfahren heisst trojanersicher, wenn ein Trojaner es nicht schaffen kann, bestimmte Teile der Kommunikation abzuhoeren und/oder zu faelschen. Es werden trojanersichere Verfahren untersucht und entwickelt, speziell solche fuer Online Accounts (Bank, email, etc.). Alle hier vorgestellten trojanersicheren Verfahren sind gleichzeitig auch ein sicherer Schutz gegen sogenanntes spoofing, d.h. sie schliessen Angriffe aus, bei denen der Account-Benutzer auf eine gefaelschte Webseite gelockt wird, die so aussieht wie die Webseite des Account-Servers.

Online Demonstrationen von neuen Verfahren fuer trojanersichere Online Accounts

Komfortabler und sicherer Zugriff auf die Online Accounts via Fotohandy

Das Fotohandy wird fuer den sicheren und komfortablen Zugang zu Internet-Accounts genutzt. Mit der Foto-PIN kann der Benutzer seine PIN eingeben, ohne dass ein Trojaner sie abhoeren kann.


Sichere "low-tech" Verfahren fuer Online Accounts, d.h. Verfahren, die nur mit Papier oder Folien arbeiten:


Das Sichere Fenster Verfahren:

Das Verfahren ist speziell fuer Firmen-Accounts von Mitarbeitern geeignet, die von ausserhalb des Firmennetzes per Browser auf den Firmen-Account zugreifen wollen, z.B. von zu Hause aus, und zwar vom gleichen Rechner aus, den auch sonst benutzt. Wirtschaftsspione koennen nichts abhoeren, denn die gesamte Kommunikation wird in beide Richtungen verschluesselt. Kann auch fuer Online Banking eingesetzt werden ("Konto in der Schweiz"):


Sonstige Verfahren:


Das iTAN Verfahren beim Online Banking ist nicht trojanersicher

So funktioniert der Man-in-the-Middle Angriff eines Trojaners auf das iTAN-Verfahren (nach dem Motto "tarnen, abhoeren, faelschen, taeuschen"):

Der Bankkunde gibt eine Ueberweisung ein, sagen wir 50 Euro an X. Das Formular wird vom Bankkunden abgeschickt, doch noch bevor es verschluesselt wird (SSL) und durch das Internet an die Bank geschickt wird, faengt der Trojaner es ab und macht daraus eine Ueberweisung von 5000 Euro an Y. Dieser manipulierte Ueberweisungsauftrag wird verschluesselt und an die Bank geschickt. Die Bank empfaengt den Auftrag und schickt die Rueckfrage "Bitte bestaetigen Sie die Ueberweisung von 5000 Euro an Y mit der iTAN Nr. 37!" an den Bankkunden. Nachdem die Nachricht beim Kunden-Rechner angekommen ist und entschluesselt worden ist, aber noch bevor sie auf dem Bildschirm des Bankkunden angezeigt wird, faengt der Trojaner sie ab und zeigt dann dem Bankkunden am Bildschirm anstattdessen an "Bitte bestaetigen Sie die Ueberweisung von 50 Euro an X mit der iTAN Nr. 37!". Ahnungslos gibt der Kunde seine iTAN Nr. 37 ein. Der Trojaner gibt die iTAN an die Bank weiter. Die Bank ueberweist 5000 Euro an Y. Weder der Kunde noch die Bank haben etwas von dem Betrug bemerkt. Wenn der Trojaner gut geschrieben ist, prueft er vor dem Angriff, wieviel der Bankkunde maximal ueberweisen kann, und zeigt nach dem Angriff dem Bankkunden noch ein paar Tage lang in der Konto-Uebersicht Daten an, die so aussehen, als wenn 50 Euro an X ueberwiesen worden waeren.

Der Angriff ist auf diesen pdf-Folien als eine Art Daumenkino nochmal dargestellt. Hier ist ein Video von IBM, das den Angriff auf das iTAN Verfahren ebenfalls darstellt: http://video.golem.de/internet/1692/ibm-ztic.html

Gibt es solche hinterhaeltigen Computer-Viren ueberhaupt? koennen Hacker sowas hinkriegen? Antwort: Ja. Bislang gab zwar es kaum solche Faelle, aber hier ist ein kleiner Vorgeschmack darauf (von Anfang 2008): Silentbanker und Sinowal.

Ebenso unsicher wie das iTAN Verfahren gegenueber einem Trojaner-Angriff sind das TAN-Verfahren und die Verfahren HBCI-1 und HBCI-2. Sicher sind dagegen die Verfahren TAN-Generator und chipTAN, mobile TAN (mTAN, SMS-TAN), HBCI-3 (d.h. HBCI mit Display) und neue Verfahren wie z.B. Internetausweis oder visuelle TAN. Die folgende Tabelle fasst das zusammen, wobei neue - d.h. noch nicht von den Banken eingesetzte Verfahren - gekennzeichnet sind.


Trojaner-unsicher Trojaner-sicher
low-
tech,
d.h.
Papier

oder
Folie
elektr.
Geraet




obv Auf dieser Seite sind die Online-Banking Verfahren steckbriefartig beschrieben.


Studien- und Diplomarbeiten

Aktuelle Berichte ueber das Thema aus den Medien

Papers/Vortraege/Statistiken/Broschueren

Patente

Links

Home WSI Fachschaft Uni-Tübingen Tübingen Externe Links